Die Straßenbahn ist eines der am weitesten verbreiteten öffentlichen Verkehrsmittel in München. In der bayerischen Hauptstadt hat sich diese Art der Fortbewegung über die Jahre weiterentwickelt und verbessert. In unserem Beitrag erzählen wir Ihnen mehr über den Vorgänger der modernen Straßenbahnen – die Pferdestraßenbahn. Mehr dazu auf munichfuture.eu.
Die Entstehung regelmäßiger Pferdebeförderungen
Das Ende der „napoleonischen“ Kriege markierte für Westeuropa einen wirtschaftlichen Aufschwung. In vielen großen Städten stieg die Geburtenrate sprunghaft an, und auch die ländliche Bevölkerung zog vermehrt in die Städte. Infolgedessen wuchs die Bevölkerung der europäischen Städte rapide. 1860 erreichte die Einwohnerzahl Münchens beispielsweise 150.000 Personen. Es stellte sich die dringende Frage nach der Organisation eines öffentlichen Verkehrssystems, das den Bedarf an komfortabler Fortbewegung für diese große Bevölkerungszahl decken konnte. Die Lösung ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im Juni 1861 begannen die ersten Pferdebeförderungen, die auf festgelegten Routen verkehrten.
Der Transport wurde von der privaten Firma von Michael Zechmeister betrieben. Das Unternehmen besaß mehrere Pferdewagen, die vom Hauptbahnhof bis zur Frauenkirche verkehrten. Auf diese Weise konnten die Einwohner Münchens schnell und zu erschwinglichen Preisen ihre Ziele erreichen. Aufgrund der geringen Kosten erhielt dieses Verkehrsmittel bald den Spitznamen „Pfennigwagen“.
Doch das stetige Bevölkerungswachstum erforderte immer mehr Sitzplätze im öffentlichen Verkehr. Pferdewagen in ihrer ursprünglichen Form konnten den steigenden Bedarf nicht mehr decken.

Die Entstehung der Pferdestraßenbahn
1882 übergaben die „Pfennigwagen“, die von Zechmeister betrieben wurden, das „Zepter“. Fortan verkehrten in der Stadt ausschließlich Pferdestraßenbahnen.
Dieser Entwicklung gingen lange Verhandlungen in der bayerischen Hauptstadt über den Bau einer Schienenstrecke voraus. Eine Genehmigung von der Stadtverwaltung und der Polizei zu erhalten, stellte sich als äußerst schwierig heraus. Erst 1876 gelang es dem belgischen Unternehmer Eduard Otlet, sein Projekt zu genehmigen und zu verwirklichen. Noch im selben Jahr nahm die erste Straßenbahn den Betrieb auf. Es dauerte jedoch einige Jahre, bis sie sich durchsetzen und die Pferdewagen vollständig verdrängen konnte.
Später ging die Straßenbahn von privatem Besitz in staatliche Verwaltung über. Die zuständige Behörde trug den Namen „Münchner Straßenbahn“.
Die Pferdestraßenbahn expandierte schnell und verband immer mehr Stadtteile miteinander. 1885 gab es bereits sieben „Linien“. Eine numerische Kennzeichnung existierte damals noch nicht; die „Linien“ wurden stattdessen durch verschiedene Farben gekennzeichnet.
Auch die Anzahl der Fahrzeuge stieg stetig. 1894 verfügte die „Münchner Straßenbahn“ bereits über mehr als 750 Pferde. Diese arbeiteten bis zum Jahr 1900, als die Straßenbahn auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde.

Pferdetransport für die Bevölkerung
Diese Art des öffentlichen Verkehrs war ein fester Bestandteil des städtischen Lebens. Niedrige Preise, ein großes Streckennetz und eine hohe Kapazität machten die Pferdestraßenbahn zu einem beliebten Fortbewegungsmittel. Die Wagen wurden von einem Kutscher gelenkt, eine körperlich anstrengende Arbeit, die ausschließlich von Männern verrichtet wurde. Auf der Strecke war auch ein Schaffner tätig. Der Ablauf der Fahrt ähnelte stark dem, was wir heute in modernen Straßenbahnen erleben.
Im 19. Jahrhundert war dieses Verkehrsmittel in vielen Ländern weit verbreitet. Die Gesamtlänge der Pferdebahnstrecken in Deutschland betrug 1286 Kilometer. Nur Amerika konnte diese Zahl übertreffen.
Öffentliche Verkehrsmittel sind notwendig, um der Bevölkerung einer Stadt eine komfortable und erschwingliche Fortbewegung zu ermöglichen. Die Pferdestraßenbahn in München hat diese Aufgabe zweifellos erfüllt und stellte eine bedeutende Innovation ihrer Zeit dar.