Wenn man nach München kommt, kann man leicht vergessen, dass hier Menschen leben, die ganze Geschichten, Traditionen, Lieder und Glauben mit sich bringen. Die ukrainische griechisch-katholische Pfarrei Maria Schutz und St. Andreas der Erstberufene (Kirche Maria Schutz und St. Andreas) ist genau so ein Ort. Es ist ein Ort, an dem die Muttersprache klingt, an dem Kinder ukrainische Lieder lernen und die Liturgie Glauben, Symbole und Musik vereint, die so vertraut von zu Hause sind. Darüber hinaus ist sie die Kathedrale des Apostolischen Exarchats in Deutschland und Skandinavien, die nicht nur den ukrainischen Griechisch-Katholiken in Bayern, sondern auch in verschiedenen Teilen des Landes und darüber hinaus dient. Hier versammeln sich diejenigen, die sich nach ihren Wurzeln sehnen, die ihre Kultur und Sprache bewahren wollen, und jene, die weit weg von der Heimat geistliche Unterstützung suchen. Mehr dazu auf munichfuture.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie diese Gemeinde in München entstand, wie die Kathedrale aussieht, was und wie die Menschen hier tun, um ihren Glauben und ihre Kultur zu unterstützen, und warum dies selbst für diejenigen wichtig ist, die nicht sehr oft in die Kirche gehen.
Geschichte und Bildung der Gemeinde
Ukrainer kamen bereits nach dem Zweiten Weltkrieg nach München. Damals kamen Tausende von Menschen in die Stadt, hauptsächlich sogenannte DPs (Displaced Persons), also Vertriebene, die nicht in die Sowjetunion zurückkehren konnten oder wollten. Für sie wurde München zu einem vorübergehenden Zufluchtsort, für viele jedoch zu einem dauerhaften. Genau in dieser Zeit begannen sich die ersten Zentren des ukrainischen Lebens zu bilden: Schulen, Kulturvereine und Kirchengemeinden.
Anfangs versammelten sich die Griechisch-Katholiken zu Gottesdiensten in gewöhnlichen Sälen oder Privatwohnungen. Priester, die zusammen mit den Menschen in die Emigration gegangen waren, hielten Liturgien buchstäblich „unter Feldbedingungen“ ab. Aber selbst unter solchen Umständen blieb die ukrainische Tradition im Mittelpunkt – Gesang, Ikonen, die Muttersprache. Sehr schnell wurde klar, dass provisorische Räumlichkeiten keinen echten Tempel ersetzen konnten.

In den 1940er und 1950er Jahren wuchs die ukrainische Gemeinde in München durch neue Wellen von Einwanderern. Es kamen Studenten, Wissenschaftler, Kulturschaffende und später auch Arbeitsmigranten. Jede neue Welle machte die Gemeinde größer und vielfältiger. Der Bedarf an einer eigenen Kirche wurde nur noch größer.
Im Jahr 1959 wurde das Apostolische Exarchat für ukrainische Griechisch-Katholiken in Deutschland und Skandinavien gegründet. Dies gab der ukrainischen Gemeinde offizielle Anerkennung und einen eigenen Bischof. Die ukrainische Gemeinde in München hatte jedoch immer noch keinen eigenen Tempel. Sie nutzten verschiedene katholische Kirchen der Stadt für ihre Gottesdienste. Erst 1974 erhielten die Ukrainer dank der Unterstützung der deutschen Kirche und Regierung die Genehmigung, ihren eigenen Tempel zu errichten.
Architektur und Innenausstattung
Der spezielle Bau wurde von Erwin Schleich entworfen. Er wollte alles in einem schlichten, modernen Stil des Konstruktivismus nachbilden, dabei aber die byzantinische Tradition respektieren. Die Fertigstellung erfolgte 1976, als die Kathedrale offiziell geweiht wurde. Und obwohl es im Internet nicht viele Informationen über die Architektur des Tempels gibt, kann man beim Betrachten viele Dinge verstehen. Die Kathedrale Maria Schutz und St. Andreas der Erstberufene in München hat von außen ein zurückhaltendes Erscheinungsbild und verrät nicht sofort, dass es sich um eine ukrainische Kirche handelt. Die Fassade wirkt durchweg bayerisch: einfache dekorative Elemente, langgestreckte Fenster und Ziegelwände, die Funktionalität mit dem lokalen architektonischen Stil der Zeit verbinden. Wenn man hineingeht, spürt man sofort den ukrainischen Geist. Im Mittelpunkt steht die Ikonostase, die den Altar vom Hauptraum trennt und eine für den Ritus charakteristische Atmosphäre schafft. Die Ikonen sind im klassischen byzantinischen Stil ausgeführt: goldener Hintergrund, anmutige Gesichter der Heiligen, leuchtende Farben. Über dem Altar befinden sich leise flackernde Ampeln, die eine andächtige Stimmung verbreiten. Die Wandmalereien der Kathedrale stammen vom Künstler und Dichter Swjatoslaw Hordynskyj, der 1947 nach seiner Flucht vor den stalinistischen Repressionen den Ukrainischen Verband der bildenden Künstler in München gründete.

Interessante Tatsache: Gedenkschriften in ukrainischer und deutscher Sprache wurden in das Fundament eingemauert, und zur feierlichen Liturgie der Kirchenweihe kamen über 800 Gläubige aus allen Regionen Deutschlands sowie aus Österreich, Frankreich und Belgien.
Liturgisches Leben und Traditionen der Gemeinde
Die Kathedrale Maria Schutz und St. Andreas der Erstberufene in München ist das Zentrum des geistlichen und kulturellen Lebens der ukrainischen Griechisch-Katholiken in der Region. Die UGKK (Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche) hält Gottesdienste nach byzantinischem Ritus ab, wobei die Hauptsprache Ukrainisch ist und manchmal auch Kirchenslawisch oder Deutsch verwendet wird, damit alle Gemeindemitglieder an der Liturgie teilnehmen und sich zu Hause fühlen können.
Die wichtigsten Ereignisse des Jahreszyklus sind die großen Feste: Weihnachten, Ostern, Maria Schutz und der Tag des heiligen Andreas des Erstberufenen. Zu Ostern finden nächtliche Liturgien statt, Osterkörbe werden gesegnet, und nach dem Gottesdienst gibt es gemeinsame Feiern, die Gemeindemitglieder verschiedener Altersgruppen und Generationen zusammenbringen. Die Weihnachtsgottesdienste werden von Weihnachtsliedern, Krippenspielen und festlichen Aufführungen von Kindern begleitet, was hilft, die Traditionen an die jüngere Generation weiterzugeben und ein Gefühl der gemeinsamen Familie zu schaffen.

Für Kinder und Jugendliche werden Kurse in der Sonntagsschule organisiert, wo sie die ukrainische Sprache, religiöse Bräuche, die Geschichte der Kirche und die ukrainische Kultur im Allgemeinen kennenlernen. Darüber hinaus finden in der Kathedrale Bildungs- und Kulturveranstaltungen statt: Meisterkurse in ukrainischer Kunst, Treffen mit ukrainischen Schriftstellern, Literaturabende, Konzerte und Ausstellungen.
Ein charakteristisches Merkmal der Gottesdienste in der Kathedrale ist der Chorgesang ohne Musikinstrumente, was eine traditionelle Praxis des byzantinischen Ritus ist. Der Chor führt alte Kirchengesänge sowie moderne ukrainische Werke für Kirchenchor auf und schafft so eine einzigartige Atmosphäre der Spiritualität und Einheit der Gemeinde.
Die Kathedrale erfüllt auch die Funktionen eines Kulturzentrums: Nach großen Feiertagen organisieren die Gemeindemitglieder gemeinsame Treffen, diskutieren Neuigkeiten aus der Gemeinde und lernen neue Mitglieder kennen, insbesondere Studenten und Flüchtlinge aus der Ukraine. Hier finden regelmäßig Feiern nationaler und religiöser Ereignisse, Treffen für Jugendliche und Erwachsene sowie Zusammenkünfte ukrainischer Künstler und kreativer Gemeinschaften statt. Eine solche Tätigkeit hilft, die ukrainische Identität zu bewahren, fördert die Integration der Gemeinde in die deutsche Gesellschaft und bewahrt gleichzeitig die geistigen und kulturellen Traditionen der Ukrainer in der Diaspora.
Kultureller, sozialer und bildender Beitrag der Gemeinde
Die ukrainische griechisch-katholische Kathedrale in München ist längst zu einem echten Zentrum des Gemeindelebens geworden. Hier versammelt man sich nicht nur zum Gebet, sondern auch, um die Schulter eines Landsmannes zu spüren, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam die ukrainische Identität zu bewahren.

Nach dem Beginn des vollumfänglichen Krieges ist die Rolle der Kathedrale noch weiter gewachsen. Bei der Kirche werden Hilfsgüter für die Ukraine gesammelt, man arbeitet mit Wohltätigkeitsfonds sowie mit lokalen Initiativen zusammen, die Flüchtlinge unterstützen. Dieser Ort ist für viele Ukrainer zum ersten „Anlaufhafen“ in einer neuen Stadt geworden: Hier kann man nicht nur beten, sondern auch Rat, Informationen oder sogar praktische Hilfe erhalten. Die Gemeinde integriert sich aktiv in die deutsche Gesellschaft und bewahrt dabei ihre eigenen Traditionen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Feste, zu denen Hunderte von Menschen zusammenkommen.
Der Bildungsaspekt ist ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht immer in Form von klassischen Schulen. Kinder und Jugendliche werden durch Sonntagsunterricht, gemeinsame Veranstaltungen und die Teilnahme am Chor in das Gemeindeleben einbezogen. Für viele ist dies eine Gelegenheit, die ukrainische Sprache zu hören und zu praktizieren, Traditionen zu lernen und ihre Wurzeln besser zu verstehen. Eine solche „lebendige Schule“ integriert die nächste Generation in den Kulturraum, auch wenn sie weit weg von der Ukraine aufgewachsen ist.
Quellen: