Das Neue Rathaus am Marienplatz in München ist nicht nur der Sitz des Bürgermeisters, sondern auch ein bedeutendes neugotisches Wahrzeichen der Stadt, bekannt für seinen Aussichtsturm und das berühmte Glockenspiel. Hier tagt der Stadtrat, jede politische Partei hat eigene Räume, und einige städtische Dienste sind hier ebenfalls untergebracht. Der Balkon des Rathauses ist der Ort, an dem der FC Bayern München nach Meisterschaftsgewinnen seine Fans begrüßt. Mehr über das Hauptsymbol Münchens erfahren Sie weiter auf munichfuture.
Baugeschichte
Die Expansion Münchens im 19. Jahrhundert führte dazu, dass das Alte Rathaus für die Bedürfnisse der wachsenden Stadt zu klein wurde. Mitte der 1800er Jahre wurden 24 Gebäude am Marienplatz abgerissen, und der Bau des riesigen Neuen Rathauses begann. Die Bauarbeiten dauerten von 1867 bis 1905.
Das Neue Rathaus erstreckt sich fast 100 Meter entlang des Marienplatzes und wird von einem 85 Meter hohen Turm gekrönt. Das neugotische Design ist inspiriert von den Rathäusern in Brüssel und Wien, und die komplizierten Fassadenverzierungen stellen lokale Volkssagen, religiöse Geschichten und Darstellungen der Gründer Münchens dar.

Die Spitze des Turms ziert eine Heraldikstatue des Mönchs Münchner Kindl, was im bayerischen Dialekt „Münchener Kind“ bedeutet. Der Mönch in seiner Robe zeigt mit der rechten Hand das Zeichen des Eids und hält in der linken Hand ein Schwurhandbuch.
Das Glockenspiel
Eine besondere Attraktion des Rathauses ist die große mechanische Uhr Glockenspiel, die aus 43 Glocken und 32 Figuren besteht. Zweimal am Tag stellt sie Szenen aus der Geschichte Münchens im 16. Jahrhundert nach. Die obere Hälfte zeigt die Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renata von Lothringen im Jahr 1568. Zu Ehren der Feierlichkeiten findet ein Ritterturnier zwischen Rittern aus Bayern (in weiß-blauer Kleidung) und Lothringen (in rot-weißer Kleidung) statt, bei dem der bayerische Ritter siegt.

Die untere Hälfte der Uhr zeigt den Schäfflertanz (Tanz der Fassmacher). Laut einer Legende war das Jahr 1517 das Jahr der Pest in München. Um die verängstigten Menschen zu ermutigen, tanzten die Fassmacher auf den Straßen. Ihr Tanz symbolisiert Treue und Durchhaltevermögen in schwierigen Zeiten.
Die Figuren bewegen sich 12–15 Minuten lang, je nach Melodie. Am Ende dieser Show kräht ein kleiner goldener Hahn oben auf der Uhr leise und markiert das Ende des Spektakels. Die Aufführungen finden täglich unter dem Glockenspiel um 11:00, 12:00 Uhr und im Sommer zusätzlich um 17:00 Uhr statt.
Ein Beispiel architektonischer Pracht
Im Inneren des Rathauses findet man viel Granit und Marmor, prachtvolle Sitzungssäle sowie Räume für Abgesandte und Ausschüsse. Einer der wenigen offiziellen Räume, die im Originalzustand erhalten geblieben sind, ist der Hauberrisser-Raum (auch bekannt als „Raum 200“), benannt nach dem Architekten und Erbauer des Rathauses, Georg von Hauberrisser.

Der Rathauskomplex verfügt über sechs Innenhöfe. Die Hauptfassade, die auf den Marienplatz blickt, zeigt in ihren Dekorationen den Welfenherzog Heinrich den Löwen und fast die gesamte Linie der Wittelsbacher Dynastie.
Das zentrale Denkmal über dem Hauptportal ist die Reiterstatue des Prinzregenten Luitpold. Münchener Originale, neugotische Wasserspeier in Form von Fratzen und Masken, allegorische Bilder, Szenen aus dem Leben der Heiligen und populäre legendäre Figuren sind an der Hauptfassade am Marienplatz und an der Weinstraße zu finden.
An klaren Tagen lohnt es sich, mit dem Aufzug auf die obere Terrasse des Rathausturms (Rathausturm) zu fahren. Der 85 Meter hohe Turm bietet einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und ihre Umgebung. Mit etwas Glück können Sie sogar die österreichischen Berggipfel sehen.
Die magische Bibliothek
Im obersten Stockwerk des Rathauses versteckt sich die Juristische Bibliothek München, die eine Höhe von 10 Metern hat. Ihre vergoldeten Wendeltreppen und großen Regale mit endlosen Buchbänden spiegeln den floralen Jugendstil Münchens wider. Die Gesamtfläche der Bibliothek beträgt 120 m².

Die Bibliothek ist mit Büchern über Recht, Gesetze und Vorschriften gefüllt, alles in deutscher Sprache. Das holzfarbene Interieur schafft eine perfekte Leseatmosphäre und versetzt Sie gedanklich in die Welt von Harry Potter. Durch die großen Fenster fällt viel Licht herein. Bei Dunkelheit erleuchten Lampen den Raum mit goldenem Glanz. Die Details beeindrucken – drei hölzerne Ebenen, kunstvolle Leuchten, mit Weinreben verzierte Treppen…
Zum Glück müssen Sie kein Jurist oder Jurastudent sein, um die Bibliothek zu besuchen, da sie für Besucher geöffnet ist. Diese exquisite literarische Schatzkammer hat die Aufmerksamkeit von Filmemachern auf sich gezogen und war in mehreren Filmen zu sehen, darunter „Cabaret“ mit Liza Minnelli (1972).
Das Herzstück des Marienplatzes
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Marienplatz, auf dem das Rathaus steht. Seit 1638 steht hier auch die Mariensäule, die das glückliche Ende des Dreißigjährigen Krieges für München feiert. Das Denkmal besteht aus einer Bronzestatue der Jungfrau Maria auf einem Marmorsockel. Die gekrönte Figur Mariens steht auf einer Mondsichel und hält das Jesuskind mit einer Kugel in der linken Hand und ein Zepter in der rechten.
Neben der Mariensäule gehört auch der Fischbrunnen zu den Sehenswürdigkeiten des Marienplatzes. In der Nähe befindet sich die römisch-katholische Frauenkirche, die für ihre beiden Zwiebeltürme bekannt ist.
Das Alte Rathaus befindet sich nicht weit vom Neuen entfernt. Es wurde im gotischen Stil zwischen 1470 und 1480 auf den alten Stadtbefestigungen erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach umgebaut, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl die Außenansicht des Gebäudes im Vergleich zu den benachbarten Bauwerken relativ schlicht erscheinen mag, können Besucher im Inneren gut erhaltene mittelalterliche Elemente bewundern, wie z. B. die schöne Holzbalkendecke mit goldenen Details.

Im Sitzungssaal des Alten Rathauses fanden einst ständische Versammlungen sowie Bälle, Tanzveranstaltungen und Karnevalsfeiern statt. Nach dem Bau des Neuen Rathauses wurden feierliche Anlässe wie die Verleihung der Ehrenbürgerschaft weiterhin im Bankettsaal des Alten Rathauses abgehalten. In seinem Turm befindet sich ein Spielzeugmuseum mit einer beeindruckenden Sammlung des Illustrators Ivan Steiger.
Das Gebäude hat einen 55 Meter hohen Turm, der einst eines von fünf Stadttoren war, die in der Verteidigungsmauer aus dem 12. Jahrhundert errichtet wurden – noch vor dem Bau der Tore der Stadtmauer, die heute zu sehen sind!
Der Christkindlmarkt
Zur Weihnachtszeit ist der Marienplatz für seinen Weihnachtsmarkt Christkindlmarkt bekannt. Der Markt dauert in der Regel knapp einen Monat – von Ende November bis Heiligabend. Er bietet zahlreiche Attraktionen, darunter Ausstellungen von Krippen, Führungen, Aufführungen und natürlich viel Glühwein und Gebäck.

Der Christkindlmarkt mit über 150 Ständen erstreckt sich vom Marienplatz bis zur Weinstraße. In der Weihnachtszeit stellt die Münchner Feuerwehr vor dem Rathaus einen großen, mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum auf.