Sonntag, Februar 8, 2026

Die Geschichte des Augustinerklosters, das zu einer berühmten Brauerei wurde

In der Neuhauser Straße, zwischen modernen Geschäften und belebten Cafés, stand einst eines der bedeutendsten Klöster der Stadt. Genau hier ließen sich Ende des 13. Jahrhunderts die Augustinermönche nieder. Ihr Kloster entwickelte sich schnell zu einem wichtigen geistlichen Zentrum, doch seine Rolle endete nicht damit. Die Augustiner schufen auch ein Bier, dessen Marke heute weltberühmt ist. Die Rede ist von Augustiner – einer Brauerei, die als die älteste Brauerei Münchens gilt. Die Geschichte dieses Ortes handelt also nicht nur von Gebeten und der Stille in den Zellen, sondern auch vom Dienst an der Stadt, von neuen Traditionen und sogar von den Bierzelten auf dem Oktoberfest. Mehr dazu auf munichfuture.

In diesem Artikel beleuchten wir, wie das Augustinerkloster entstand und sich entwickelte, was es für die Bürger bedeutete, wie seine Architektur aussah und welches Erbe das Kloster hinterlassen hat.

Gründung und mittelalterliche Entwicklung

München Ende des 13. Jahrhunderts – das waren Steinmauern, enge Gassen, belebte Märkte und der Duft von frisch gebackenem Brot und dem Harz aus den Schmieden. In dieser Atmosphäre kamen 1294 die Augustiner hierher. Und sie erbauten in der damaligen Neuhauser Gasse (heute Neuhauser Straße) ein Kloster. Es wurde schnell zu einem wichtigen Ort nicht nur für das geistliche, sondern auch für das alltägliche Leben der Bürger. Die Augustiner waren nicht einfach nur Mönche, die ihre Zeit im Gebet verbrachten. Sie engagierten sich in der Bildung, führten einen Haushalt und kümmerten sich um Arme und Kranke. Ihr Kloster wurde allmählich zu einem der geistlichen Zentren Münchens. Für die Bürger war es ein Ort, an dem man Rat, Hilfe und, was in jenen Zeiten wichtig war, ein Gefühl der Stabilität finden konnte.

Zudem erwiesen sich die Augustiner als ausgezeichnete Wirte. Um ihre Unterkunft zu unterhalten und ihre Tätigkeit zu unterstützen, begannen sie, Bier zu brauen. Die erste schriftliche Erwähnung der Klosterbrauerei datiert auf das Jahr 1328. Anfangs war es ein kleines Unternehmen, doch mit der Zeit wurde gerade das Bier zu einer wichtigen Einnahmequelle. Für die Stadtbewohner war es zudem eine sicherere Alternative zum oft verunreinigten Trinkwasser.

Das geistliche, soziale und wirtschaftliche Leben des Klosters

Das Leben in einem mittelalterlichen Kloster war streng geordnet. Die Augustiner befolgten die Regel des heiligen Augustinus, die Gebet mit aktiver Arbeit verband. Der Tag begann und endete mit einem Gottesdienst. Dazwischen arbeiteten die Mönche nicht nur körperlich, sondern widmeten sich auch der Bildung: Sie lasen, schrieben Bücher ab und unterrichteten die Jugend. Einen wichtigen Platz nahm auch die Hilfe für Bedürftige ein. Für viele Münchner wurde das Kloster zu fast dem einzigen Ort, an dem man Barmherzigkeit und Unterstützung finden konnte.

Die soziale Rolle des Klosters reichte weit über seine Mauern hinaus. Beim Kloster gab es Spitäler für Arme und Kranke, es wurde Essen verteilt und Reisenden Zuflucht gewährt. Die Augustiner pflegten enge Beziehungen zur Obrigkeit, insbesondere zur Dynastie der Wittelsbacher, die Bayern regierte. Die Wittelsbacher sahen im Kloster nicht nur ein geistliches Zentrum, sondern auch einen Verbündeten in der Sache der städtischen Stabilität. Die Unterstützung durch die Herrscher förderte daher die Entwicklung der Anlage und stärkte ihre Autorität unter den Bürgern.

Doch Spiritualität und Wohltätigkeit benötigten eine materielle Grundlage. Und hier kam die Wirtschaft ins Spiel. Die größte Einnahmequelle wurde eben jene berühmte Brauerei. Sie versorgte nicht nur die Mönche und Bürger mit einem qualitativ hochwertigen Getränk, sondern brachte auch Geld für den Unterhalt des Klosters und die Finanzierung seiner sozialen Programme ein. Neben dem Bier besaß das Kloster Land, betrieb Landwirtschaft und beteiligte sich sogar am Handel.

Architektur, Umbauten und materielles Erbe

Wenn man sich ansieht, was heute in der Neuhauser Straße steht, ist es schwer vorstellbar, dass hier einst eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen der Stadt emporragte. Die Hauptkirche der Augustiner wurde als gotische Basilika aus dem für die Region typischen Backsteinmauerwerk errichtet. Es war ein geräumiger, monumentaler Sakralraum. Bis zur Entstehung der Frauenkirche galt sie sogar als das größte Kirchengebäude Münchens. 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts (1618-1621) erfuhr der Tempel bedeutende Veränderungen: Er wurde „barockisiert“. Das bedeutet, dem gotischen Skelett wurden barocke Elemente im Inneren und architektonische Verzierungen hinzugefügt. Quellen zufolge wurde der Umbau von dem Meister Veit Schmidt nach den handwerklichen Traditionen der damaligen Zeit durchgeführt. Dies verlieh dem Gebäude ein dekorativeres, für jene Epoche „modischeres“ Aussehen. 

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 verlor das Kloster seine religiöse Funktion, da seine Räumlichkeiten profaniert wurden. Ein Teil der Gebäude wurde für städtische Zwecke umgestaltet. So wurde der Kirchenraum vorübergehend als Mauthalle genutzt, und in den Klostergebäuden entstanden Verwaltungs- und Geschäftsräume. Später wurde ein Teil des Komplexes zum Dienstgebäude für die Polizei und gewerbliche Einrichtungen. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte der Architekt Theodor Fischer eine Reihe von Anpassungsumbauten durch. Im ehemaligen Langhaus wurde der „Weiße Saal“ eingerichtet, und an der Ostseite wurde eine neue Treppenkomposition geschaffen, die Ebenen verband und einen Teil des Gebäudes in einen öffentlichen Raum und Geschäftsräume verwandelte. Diese Eingriffe veränderten die inneren Grundrisse, bewahrten jedoch die massiven äußeren Konturen der gotischen Basilika. 

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt der Komplex schwere Zerstörungen (die Hauptschäden entstanden 1943-1944). Die Restaurierung und der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgten in mehreren Etappen. In den Jahren 1962-1964 restaurierte der Restaurator Erwin Schleich einen Teil des Gebäudes und passte es für eine neue kulturelle Nutzung an. Hier wurden das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum sowie andere öffentliche Einrichtungen untergebracht.

Somit ist das materielle Erbe des Klosters nicht nur Mauern und Gewölbe. Hier sind Spuren verschiedener Epochen erhalten: gotische Fassadenkonturen, barocker Putz und dekorative Lösungen des 17. Jahrhunderts, Spuren der Umbauten Fischers vom Anfang des 20. Jahrhunderts und nachkriegszeitliche Restaurierungsarbeiten. Heute fungiert der Komplex als eine Verbindung aus kulturellen, öffentlichen und kommerziellen Räumen (Museum, Büros, Geschäfte, ein Teil der Polizeiräume). Und dies ermöglicht es dem Gebäude, ein „lebendiger“ Teil der Stadtgeschichte zu bleiben.

Bier, Kultur und touristisches Interesse

Die Schließung des Klosters im Jahr 1803 zerstörte sein Erbe nicht. Am langlebigsten erwies sich die Brauerei, in der seit dem 14. Jahrhundert Bier für die Brüder und die Bürger gebraut wurde. Nach der Säkularisation bildete sie die Grundlage für die Marke Augustiner-Bräu. Im 19. Jahrhundert wurde die Brauerei modernisiert. Sie trat offiziell auf den Markt und wurde später zur ältesten Münchner Brauerei, die bis heute als Inbegriff Münchner Brautradition gilt. Auf dem Oktoberfest wird das Augustiner-Bier aus Holzfässern ausgeschenkt – für viele ein wahres Symbol des Festes.

Die Spuren des Klosters sind auch heute noch im Zentrum Münchens sichtbar. Im Jahr 2013 wurde in der Nähe des Marienplatzes das Restaurant Klosterwirt eröffnet, das an die alten Traditionen der Gastfreundschaft erinnert. Und die zahlreichen Biergärten und Wirtshäuser von Augustiner, darunter der legendäre Augustiner-Keller, sind zu beliebten Erholungsorten für Bürger und Touristen geworden. 

Übrigens ist in der Brauerei ein Teil der mittelalterlichen Ausrüstung und Technologien erhalten geblieben, die bereits im 14.-15. Jahrhundert verwendet wurden (zu sehen im Museum von Augustiner Bräu). Die Bierrezeptur wurde jedoch ständig an moderne Qualitätsnormen angepasst. Darüber hinaus kontrollierte der Klosterkomplex lange Zeit die für die Getränkeproduktion notwendigen Ländereien und Ressourcen. So wurden den Archiven zufolge jährlich mehrere tausend Liter Bier produziert. Es gibt sogar die Annahme, dass es dreimal mehr war, als eine durchschnittliche Brauerei der damaligen Zeit herstellte.

Das Getränk wurde auch an den Hof der Wittelsbacher-Dynastie geliefert, was seine Beliebtheit bei den Münchnern steigerte.

Quellen:

  1. https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Augustiner-Bräu_%28München%29
  2. https://www.augustiner-braeu.de/en/brewery/history/
  3. https://www.augustiner-restaurant.com/en/history/
  4. https://www.augustiner-braeu.de/brauerei
  5. https://www.augustiner-klosterwirt.de/index.php/dies-das/geschichte

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